Die Hölle in Wankendorf 2010


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Do. 20.05.2010 18Uhr15 der erste schön warme Tag nach langer Zeit.

Genau das Richtige um ein Eis zu essen oder es sich im Biergarten gemütlich zu machen, aber nein weit gefehlt. Für die 8 PA Träger Bernd Sievers, Benjamin Dibbern, Klaus Lassen, Torsten Naase, Björn Bauer, Michael und Sven Kahl und Lars Theede sollte es an diesem Tag in die Hölle nach Wankendorf gehen. In Wankendorf befindet sich der Ausbildungsplatz der Feuerwehren im Kreis Plön.

Hier können PA Träger unter realistischen Bedingungen Feuer bekämpfen.

Als High Light befindet sich ein Brandgewöhnungs - sowie ein Flash Over- Container (liebevoll auch die „Hölle“ genannt) auf dem Gelände.

Da diese Anlage allen Feuerwehren im Kreise Plön sowie externen Feuerwehren (wie z.B. Werksfeuerwehren, Bundeswehr usw.) zur Verfügung steht gilt es hier rechtzeitig den Platz zu buchen.

Heute stand der Flash Over Container auf dem Programm.

Voraussetzung um in diesen Container zu gehen ist, dass jeder PA Träger zuvor mindestens

3-mal den Brandgewöhnungs Container absolviert hat. Dieses ist notwendig um sich an die Temperaturen im Realeinsatz zu gewöhnen.

Bei einem Wohnungsbrand können schnell einmal Temperaturen von bis zu 1000°C erreicht werden.

Fast pünktlich um 19:00 trafen wir in Wankendorf ein. Nach einer theoretischen Einweisung über das Verhalten in dem Container durch die 2 Kreisausbilder (die uns an diesem Abend zur Verfügung standen) begannen wir mit dem Bestücken des Containers. Der Brandraum wurde mit ca. 25 Holzpaletten gefüllt. Danach wurde die Löschwasserversorgung zum Container aufgebaut. Als alles fertig war bekamen wir im Container (das Feuer war noch nicht an) die letzten Einzelheiten vom Ausbilder. Er erklärte uns, welche Gefahr von einem Flash Over ausgeht und wie dieser zu bekämpfen ist.

Für alle ,die sich mit dieser Sache nicht auskennen, hier eine kurze Erklärung……..

Voraussetzung und Verlauf eines Flash Over (einfache Darstellung)

  1. Bei einem Brand in einem Raum mit Flammenbildung entsteht Wärme.
  2. Das heißt, es ist noch genügend Sauerstoff für die Verbrennung vorhanden.
  3. Die Temperatur im Raum erhöht sich und brennbareres Material, welches noch nicht von den Flammen erfasst worden ist, sondert so genannte Pyrolysegase aus. ( Pyrolyse = Zersetzung durch Hitze) Hauptbestandteil dieser Gase ist Kohlenstoffmonoxyd (CO)
  4. Die entstehende Wärme und das Gasgemisch kann nicht abgeführt werden (geschlossene Tür und Fenster) und unverbranntes Gas sammelt sich unter der Decke.
  5. Das Feuer fängt an Sauerstoff anzusaugen. Es entsteht ein Pumpeffekt. Dunkler schwarzer Rauch drückt sich durch den Türspalt und wird wieder zurückgezogen es entsteht ein Effekt wie bei einer Dampflok. Das Feuer atmet.
  6. Wenn jetzt Sauerstoff (z.B. durch das öffnen einer Tür) dem Raum zugegeben wird, entzündet sich schlagartig das Gasgemisch, und es „zündet durch“

Mann spricht jetzt von einem Flash Over ( auf deutsch Raumdurchzündung)

Nun ging es für uns los.

Die Paletten wurden angezündet und wir hatten genügend Zeit uns auszurüsten. Auf das ordnungsgemäße Anlegen der Schutzausrüstung galt das Augenmerk.

Jeder noch so kleine Spalt an sichtbarer Haut galt es abzudecken, da es sonst zu unangenehmen Verbrennungen auf der Haut kommen könnte.

Alle Trupps überprüften sich sorgfältig und halfen sich gegenseitig beim Anlegen.

Mittlerweile hatte der Container schon Temperatur und zusammen mit den Ausbildern robbten wir uns hinein.

Es ist unangenehm. Dicker schwarzer Rauch kommt langsam von der Decke runter, das Feuer knistert hinter der Stahltür, die Temperatur steigt an. Dann das erste Pumpen des Qualms durch die Tür. Mann hört förmlich das Feuer atmen.

Als Demo Zweck sollen wir nun einen Flash Over erleben lernen.

Dann, auf Kommando des Ausbilders, wird die Stahltür aufgerissen, der Flash Over beginnt.

Eine Feuerwalze mit einer Temperatur von ca. 800°C durchläuft von der Decke den gesamten Container bis zum Eingang. Die Temperatur steigt schlagartig an, es ist beeindruckend. Die Tür wird wieder geschlossen, es wird der 2.Lauf künstlich erzeugt. Jetzt wollen wir den Brand bekämpfen…

Der Strahlrohrtruppführer gibt im Impulslöschverfahren 3 Wasserstöße an die Decke vor der Stahltür um den Rauch abzukühlen. Dann erfolgt die Anweisung an seinen Truppmann „Tür auf“ .Die Tür wird aufgerissen und wieder 3 Impulse Wasser, diesmal in den Brandraum, um auch dort die Temperatur zu senken. Danach sofort das Kommando

„Tür zu“ Der Truppmann schließt die Tür …. 3 Sek. warten und wieder die Tür auf

…… wenn wir gut waren ist die Gefahr der Durchzündung gebannt

…….und wir waren gut.

Im wechselnden Durchlauf mussten wir alle an diesen beiden Positionen unsere Arbeit verrichten. Nach ca. 40 Minuten unter PA waren alle mehr oder weniger ziemlich gut gewärmt und die Vorstellung auf eine schöne Dusche heiterte uns auf. Gegen 22:15 waren wir wieder im Gerätehaus und waren alle der Meinung:

Man darf keine Angst haben, jedoch sollte, oder vielmehr muss man, vor solch einem Feuer Respekt haben.

Ich möchte mich noch bei den Kameraden Sigfrid und Claudia Grygiel, Christoph Dibbern Reinhard Meier, Heino Petersen, Pia Lassen und Laura Sydow bedanken, die uns beim Auf- und Abbau tatkräftig unterstützt haben.

 

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