Die Feuerwehren tragen Trauer (2015)


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Tod des 31-jährigen Kameraden in Marne löst landesweit Betroffenheit aus – Unglücksursache noch ungeklärt

Die Kameraden werden psychologisch betreut. Sie sind gegenwärtig nicht einsatzbereit

Marne/Kiel. Bestürzung und Trauer bei den Feuerwehren: Der Tod des 31 Jahre alten Feuerwehrmanns in Marne hat landesweit Bestürzung ausgelöst. Der Mann war unter den ersten Einsatzkräften, die am Sonntag an einem brennenden Gebäude in der Innenstadt von Marne eintrafen. Er gehörte zu dem Angriffstrupp, der den Brand im Innern des Gebäudes bekämpfen sollte. Dabei kam es zu einer plötzlichen Notsituation. Der Mann setzte noch einen Notruf ab, konnte aber nur noch tot geborgen werden. Zwei weitere Kameraden kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus. Einer von ihnen konnte am Montag wieder entlassen werden.

 

Möglicherweise hat ein Durchzünden zu dem Unglück geführt. Dabei kommt es zu einer Rauchgasexplosion mit Temperaturen von bis zu 2000 Grad. Die Polizei hat die Brandstelle beschlagnahmt. Aufgrund der Beschädigungen sei das Haus aber einsturzgefährdet. Deshalb gestalten sich die Ermittlungen schwierig und brachten noch keine neuen Erkenntnisse, hieß es von der Polizeidirektion Itzehoe.

Vermutlich werden die Ermittlungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen. So lange wird auch die Königstraße in Marne gesperrt bleiben. Die Kripo schätzt die Schadenshöhe auf 1,5 Millionen Euro.

Landesbrandmeister Detlef Radtke, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein, und Dithmarschens Kreiswehrführer Hans-Hermann Peters reagierten auf den Tod des Feuerwehrmannes betroffen. „Unser tiefes Mitgefühl gilt in erster Linie den Angehörigen des Kameraden, aber auch den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Marne“, sagten beide. Der 31-Jährige hatte die Ausbildung zum Truppführer durchlaufen und war seit 13 Jahren Feuerwehrmann; auch sein Vater ist bei der Wehr.

Die Feuerwehr Marne kann derzeit nicht ausrücken. „Die Kameraden werden psychologisch betreut. Sie sind gegenwärtig nicht einsatzbereit“, sagte Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband. Den Brandschutz übernehmen jetzt die benachbarten Wehren.

Mitgefühl zeigten aber nicht nur die Kameraden. Beim Landesfeuerwehrverband gingen über soziale Netzwerke bis gestern Abend 130 000 Trauerbekundungen aus ganz Deutschland ein. „Die Anteilnahme ist wirklich sehr groß“, sagte Bauer. Um diese Verbundenheit auch nach außen zu dokumentieren, empfiehlt der Landesfeuerwehrverband das Anbringen eines Trauerflors an den Einsatzfahrzeugen. Dies hatten die Wehren zuletzt nach den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001 getan. Bei den Anschlägen auf das World Trade Center waren 343 Feuerwehrleute gestorben. In Schleswig-Holstein starben zuletzt 2004 in Lübeck und 2006 in Meldorf Feuerwehrleute bei der Ausübung ihres Dienstes. In Lübeck passierte das Unglück während einer Brandübung. In Meldorf starb ein Feuerwehrtaucher bei einer Suchaktion im Hafenbecken.

Auch in der Landeshauptstadt war die Trauer groß. „Dieser Fall erinnert uns einmal mehr daran, dass der Feuerwehrdienst nicht ohne Gefahren ist“, sagte Ulrich Hackenberg, der stellvertretende Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Kiel. Die Kieler Feuerwehr ist von schlimmen Unglücken verschont geblieben. „An Todesfälle im Dienst kann ich mich in Friedenszeiten nicht erinnern“, erklärte Bernhard Hassenstein, Kiels Stadtwehrführer.

Kommt es bei Einsätzen zu Unfällen, soll eine spezielle Vorbereitung helfen. „Die Kameraden absolvieren einmal jährlich das Atemschutz-Notfall-Training“, sagte Hackenberg. Dieses Training durchlaufen die 500 Atemschutzträger der Kieler Berufsfeuerwehr sowie der freiwilligen Feuerwehren einmal im Jahr.

„Die Ausbildung ist gerade für die Atemschutzträger sehr intensiv. Zunächst muss jeder Feuerwehrmann die gesundheitliche Eignung mitbringen“, erläuterte Hassenstein. Der medizinische Test wird nach dem Grundsatz 26 der Berufsgenossenschaften überprüft. Diese Überprüfung erfolgt bis zum 50. Lebensjahr alle drei Jahre, danach jährlich. Erst dann darf ein Feuerwehrmann überhaupt den Lehrgang zum Atemschutzgeräte-Träger antreten.

Wie man sich im Fall einer Durchzündung richtig verhält, wird in den Wehren regelmäßig trainiert. Dazu gibt es beispielsweise Anlagen in Rendsburg und in Wankendorf. „Außerdem müssen alle Kameraden einmal im Jahr für eine Stunde auf die Kriechstrecke bei der Ostwache“, erklärte Hassenstein.

 

Auch  die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Flüggendorf gedenken  dem verstorbenen Kameraden  aus Marne 

 

Quelle Bild und Text: in Auszügen Kieler Nachrichten  Ausgabe vom 08.12.2015  / Von Frank Behling

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